Was man alles wissen sollte, bevor man sich für ein duales Studium entscheidet

Sie haben weniger Freizeit, aber verdienen mehr

Wer dual studiert, lernt an zwei Orten: an der Hochschule die Theorie und im Unternehmen die Praxis. Die Praxisphasen sollten zusammengerechnet mindestens zwölf Monate dauern, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag empfiehlt sogar 18 Monate. Es gibt zwei Varianten: Bei der ausbildungsintegrierenden Variante erwirbt man nicht nur den Bachelor, sondern auch einen Ausbildungsabschluss wie etwa Industriekaufmann. Bei der praxisintegrierenden Variante ist das nicht der Fall.

Die Auswahl ist begrenzt

Unternehmen bieten die Möglichkeit des dualen Studiums in denjenigen Bereichen an, in denen sie Fachkräfte brauchen. Das sind vor allem die Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften, die Informatik und zunehmend auch der soziale Sektor. Es gibt jedoch auch andere Angebote wie etwa Mediendesign oder Agrarwirtschaft. Die Datenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung verzeichnet rund 1.500 duale Studiengänge. Die Angebote ballen sich auch örtlich: Am häufigsten ist das Modell in Bayern. Dort gibt es mehr als 300 duale Studiengänge, es folgen Nordrhein-Westfalen mit 300 und Baden-Württemberg mit rund 270 Studiengängen. Vor allem Fachhochschulen, die Duale Hochschule Baden-Württemberg sowie Berufsakademien bieten das duale Studium an. Universitäten haben es dagegen bisher nur vereinzelt im Programm. Insgesamt machen die "Dualen" weniger als vier Prozent aller Studenten in Deutschland aus.

Man bewirbt sich beim Unternehmen

Um dual zu studieren, muss man sich um einen entsprechenden Platz in einem Unternehmen bewerben. Gerade bei großen Unternehmen kann es passieren, dass man sich in Assessment-Centern beweisen muss. Wer direkt nach dem Abitur loslegen will, sollte sich bereits ein Jahr vor dem Schulabschluss bewerben. Kurzfristig bekommt man eher bei einem Mittelständler einen Platz als bei einem Konzern. In den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften ist die Konkurrenz größer als in der Informatik.

Man bekommt schon als Student Gehalt

Duale Studenten bekommen von ihrem Arbeitgeber ein Gehalt. Es wird in der Regel auch während der Theoriephasen gezahlt und sollte wie bei einer regulären Ausbildung mit jedem Jahr steigen. Die Höhe hängt von der Studienrichtung, vom Arbeitgeber und der Branche ab. Große Konzerne zahlen meist mehr als Mittelständler, in Studiengängen mit Wirtschaftsbezug verdient man mehr als in technischen oder sozialen Fächern und im Handel mehr als im Gesundheitswesen. Laut der Gehaltsstudie 2015 von duales-studium.de, einer Online-Umfrage unter rund 3.400 dualen Studenten, liegt das durchschnittliche Gehalt im ersten Jahr zwischen 711 und 1.021 Euro.

Die Studienzeit ist planbar

Wie viel man verdient, welchen Urlaubsanspruch man hat, wer einen betreut – all das wird im Arbeitsvertrag festgehalten. Man weiß also genau, was in den nächsten Jahren auf einen zukommt. Bei Unternehmen mit internationalen Kontakten kann sogar ein kurzer Auslandsaufenthalt drin sein. Wer eine Stelle bekommt, schafft meistens auch den Abschluss. Das liegt unter anderem daran, dass die Firmen genau aussuchen, wen sie einstellen, und eher motivierte Studenten nehmen. Es hat aber auch damit zu tun, dass man unmittelbar sieht, wofür man lernt, sein Wissen anwenden kann und im besten Fall von seinen Kollegen unterstützt wird.

Die Arbeitsbelastung ist hoch

Dualstudenten sind gleichzeitig Angestellte. Während der Arbeitszeiten müssen sie dem Unternehmen zur Verfügung stehen, die Anweisungen des Chefs und den Dresscode befolgen. Für Studium und Arbeit kommen viele auf deutlich mehr als eine 40-Stunden-Woche. Statt monatelanger Semesterferien haben sie nur so viel Urlaubsanspruch wie andere Auszubildende: mindestens 24 Werktage im Jahr. Auch die Theoriephasen folgen einem straffen Stundenplan. In vielen Unternehmen ist es üblich, seinem Ausbildungsleiter die Leistungsnachweise vorzulegen, sodass man sich ein lockeres Semester nicht erlauben kann. Wer Studium und Arbeit schaffen möchte, muss also nicht nur gut sein, sondern auch sehr motiviert und organisiert.

Man legt sich früh fest

Zum Teil verpflichtet man sich im Arbeitsvertrag, für eine bestimmte Zeit nach dem Studium im Unternehmen zu bleiben. Das ist vor allem bei großen Unternehmen der Fall. Wer früher kündigt, muss dem Betrieb oft Ausbildungskosten wie zum Beispiel Studiengebühren erstatten (nicht jedoch das Gehalt) oder aber eine Ablösesumme zahlen. Die Unternehmen haben Interesse daran, ihre dualen Studenten zu halten. Zwar kann man mit einem dualen Bachelorabschluss prinzipiell auch ein Masterstudium beginnen. Dies entspricht jedoch nicht der Intention von dualen Studienangeboten. Anders ist es mit berufsbegleitenden Masterstudiengängen, die zunehmend angeboten werden.

Die meisten der dualen Studenten werden später von ihren Ausbildungsbetrieben eingestellt. Gut 70 Prozent bleiben mittelfristig in ihrem Unternehmen, ergab eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Deloitte im Jahr 2015. Etwa sieben Prozent bekommen der Studie zufolge nicht nur eine Stelle, sondern sogar die Abteilungsleitung. Wird man als Dualer nicht übernommen oder möchte nicht beim Unternehmen bleiben, hat man in der Regel auch bei anderen Betrieben aufgrund der Praxiserfahrung gute Chancen. Häufig verdienen Dualstudenten in den ersten Berufsjahren besser als andere Berufseinsteiger mit Bachelorabschluss, weil sie schon eingearbeitet sind und sich im Unternehmen auskennen.

Duales Studium

ausbildungplus.de – Viele Infos und Erfahrungsberichte zum Studium. Mit großer Studiengangsdatenbank

bit.ly/zs16dual –Direktzugang zur Datenbank von ausbildungplus.de

duales-studium.de – Überblicksseite mit Fachrichtungen, einer Gehaltsstudie, einer Datenbank mit Jobangeboten und einer, die zeigt, an welchen Unis man dual studieren kann

wegweiser-duales-studium.de – Die Seite erklärt den Aufbau eines dualen Studiums und bietet neben einer Studienplatzbörse Tipps zur Bewerbung

dhbw.de – Infos über das duale Studium in Baden-Württemberg – mit Studiengangverzeichnis

hochschule-dual.de – Alles zum dualen Studium in Bayern – mit Datenbank und Online-Studienberatung

dualesstudium-hessen.de – Datenbank, Erfahrungsberichte aus verschiedenen Unternehmen, Termine

dual-studieren-im-rheinland.de – Angebote für duale Studiengänge