Gute Zeiten für Ingenieure

Qualifizierten Techniknachwuchs erwarten sichere Jobs. Ingenieure haben den besten Arbeitsmarkt, den es momentan gibt", sagt Unternehmensberater Jürgen Feider. "Wer heute anfängt, Ingenieurwissenschaften zu studieren, findet nach dem Abschluss einen Job." Ob Elektrotechnik, Maschinenbau, Kunststofftechnik oder Agrarwesen: "Ich sehe keine Spezialisierung, die nicht gefragt ist."

Bundesweit zählt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) rund 98 000 offene Stellen. Gleichzeitig sind 19 000 Ingenieure arbeitslos. Dabei gibt es große regionale Differenzen.

"Jede zweite offene Stelle für Ingenieure ist in Baden-Württemberg, Bayern oder Hessen gemeldet", kommentiert IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös die Daten des aktuellen VDI-/IW-Ingenieurmonitors. Der Engpass trifft vor allem Unternehmen, die Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure beschäftigen. Hier fehlten 34 000 Personen. Betroffen sind auch die Elektroingenieure mit 19 000 sowie die sonstigen Ingenieure mit 14 300 Personen. "Die Zahl der Ingenieurstudenten steigt zwar, doch es reicht nicht, was da aus den Unis und Fachhochschulen strömt", sagt Peter Dibowski, Vorstand des Hamburger VDI-Bezirksvereins.

Die Absolventen werden schon an der Hochschule von Unternehmen abgeholt, sagt Dibowski. Konzerne mit großen Namen und professionellem Hochschul-Marketing wie Airbus, Lufthansa Technik, Daimler tun sich bei der Nachwuchsrekrutierung meist leichter als eher unbekannte Mittelständler. Die Aufgaben für Ingenieure seien extrem spannend, sagt Jürgen Ganter, Niederlassungsleiter von Orange Engineering Hamburg. "Es geht zum Beispiel darum, Maschinen und Anlagen bedienfreundlicher zu machen, sie an aktuelle Erfordernisse anzupassen, dafür zu sorgen, dass in der Fertigung reibungsfrei und kostengünstig gearbeitet werden kann."

Peter Dibowski vom VDI bedauert, dass es noch nicht gelungen sei, "den Beruf in seiner Vielfalt ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken". Die Arbeit von Ärzten oder Piloten werde schließlich erst möglich durch den Ingenieur dahinter, der die Geräte entwickelt. Daran werde gearbeitet, mit Projekten wie der Nacht der Industrie, Lehrerpraktika oder TecTV, einem Online-Magazin des VDI. "Wer seinen Weg im Ingenieurwesen machen will, findet in einer Ausbildung eine gute Grundlage", sagt Ganter. Etwa als Technischer Produktdesigner - der ehemalige Technische Zeichner - oder als Maschinenmechaniker oder Mechatroniker. "Da erkennt man schon mal, was man später als Konstrukteur alles an der Technik verbessern kann."

Dibowski rät Abiturienten zum Dualen Studium. "Das dauert nur ein Jahr länger als die dreijährige Ausbildung - und man bekommt zum Facharbeiterbrief gleich noch einen Bachelorabschluss dazu." Diese Fachleute seien sehr gesucht. Karrierechancen allein sollten aber nicht Grund fürs Ingenieurstudium sein. "Vor allem braucht man technische Neugier", sagt Dibowski. "Es muss einem Spaß machen, Funktionalitäten zu hinterfragen." Die Frage, was an der Technik noch verbessert werden kann, müsse einen umtreiben. Bringt man noch dazu Kreativität, Teamfähigkeit und eine gewisse Extrovertiertheit mit, seien das optimale Voraussetzungen.

Karrieren sind als Spezialist oder als Führungskraft möglich. "Wer sich in Richtung Teamleitung und Projektmanagement entwickeln will, braucht mehr und mehr kommunikative und kaufmännische Fähigkeiten", sagt Ganter. "Junge Kollegen wechseln oft nach zwei, drei Jahren, wenn sie in Richtung Teamleitung gehen wollen", sagt Feider. Das sei in Ordnung. "Mit dem zweiten Schritt sollte man aber ein paar Jahre warten." Das sei im Ingenieurwesen anders als etwa im Marketing: "In den ersten zehn Jahren sollten Ingenieure für maximal drei Unternehmen arbeiten."

Quelle: http://www.welt.de/print/die_welt/finanzen/article13771978/Gute-Zeiten-fuer-Ingenieure.html