Erfahrungsberichte

Mit einem dualen Studium hast du nach drei Jahren viel praktische Erfahrung und einen akademischen Titel in der Tasche. Aber wie sieht der Arbeitsalltag konkret aus und erfüllen sich die hohen Erwartungen?

Hier berichten Studentinnen und Studenten über ihre Erfahrungen im Dualen Studium Hessen.

Duales Studium in der IHK

Lucca M. Claß (Mitte) absolviert seit August den praktischen Teil seines dualen Studiums in der IHK Limburg. Hauptgeschäftsführerin Monika Sommer begrüßt ihn in der IHK, Michael Müller ist als Leiter des GB Finanzen und Organisation der Studienbetreuer. (Foto: IHK Limburg)

Lucca Claß absolviert den praktischen Teil seines dualen Studiums der Betriebswirtschaft seit 1. August bei der IHK Limburg. Im Interview berichtet der 22-jährige, weshalb er sich für seine berufliche Qualifizierung für diese Kombination von Theorie und Praxis entschieden hat.

Warum haben Sie sich für ein duales Studium entschieden?

Für mich erweitert das duale Studium meine Möglichkeiten zu lernen. Denn ich kann nicht nur das theoretische Wissen verinnerlichen, sondern darf auch von den Tipps und Kniffen meiner Kollegen lernen. In den Praxisphasen erfahren zu können, was ich mit meinem Wissen so alles anstellen kann und nach einem Arbeitstag ein Ergebnis vor mir zu sehen, das stellt für mich den größten Reiz eines dualen Studiums dar.

Weshalb haben Sie den Studiengang Betriebswirtschaft gewählt?

Für Betriebswirtschaft mit der Fachrichtung Mittelstandsmanagement habe ich mich entschieden, da ich zum einen mit einem mittelständischen Betrieb aufwuchs und es wichtig finde, diesen Wirtschaftszweig weiterentwickeln und gestalten zu können. Zum anderen bereitete mir das Planen und Erstellen von Prozessen schon immer große Freude. Es fasziniert mich zu sehen, wie alle zuvor erdachten Schritte ineinander greifen und dabei möglichst effektiv zum Ziel führen.

Wie ist Ihr Studium aufgebaut?

Das Studium erstreckt sich über sieben Semester und findet in Unterrichtsblöcken statt. Diese werden in der Außenstelle der Technischen Hochschule Mittelhessen am Campus Limburg ausgerichtet. In den ersten vier Semestern erlerne ich betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Grundlagen. Dabei sind die ersten drei Semester von einer Praxisphase begleitet. Das vierte und fünfte Semester dient zur individuellen Vertiefung, vor allem durch Wahlpflichtmodule. Im sechsten Semester folgt das Projektstudium, in dem ich ein größeres Projekt bei der IHK Limburg bearbeiten werde. Im letzten Semester folgen die Bachelor-Thesis und das Kolloquium bei der IHK.

Warum haben Sie sich für die IHK entschieden?

Als Vertreter der regionalen Wirtschaft beschäftigt sich die IHK mit vielen sehr unterschiedlichen Themen: von der Ausstellung von Herkunftsnachweisen über die Aus- und Weiterbildung bis hin zur Gründungsberatung ist alles dabei. Ich habe somit die Chance, sehr viele Dimensionen des unternehmerischen Handelns kennenzulernen. Darüber hinaus vertritt die IHK Werte wie die des ehrbaren Kaufmanns, die mir sehr wichtig sind. Für mich vereint die IHK somit die Möglichkeit, sowohl fachlich als auch moralisch lernen und wachsen zu dürfen.

Was wollen Sie nach dem dualen Studium machen?

Mein großes Ziel ist es, in einer Führungsposition die Wertschätzung innerhalb eines Unternehmens wieder zu einem der höchsten Güter zu machen. Ich strebe ein Umfeld an, in dem zwischen Belegschaft und Führung Verständnis und Zusammenhalt herrscht. Mein Ziel ist es wirtschaftlichen Erfolg und soziale Verantwortung so zu vereinen, dass diese Symbiose überall gelebt werden kann.

(Interview aus Wirtschaft Region Limburg-Weilburg, 08-09 2019, S. 40)

Vom Azubi zum dualen Studenten

Hessischer Modellversuch ermöglicht Studium ohne Abitur

Nassau/Limburg. Ob Wäschespinne, Bodenreiniger oder Fenstersauger – kaum ein Haushalt in Deutschland, der nicht über mindestens eines der türkisgrünen Produkte der Leifheit AG aus dem rheinland-pfälzischen Luftkurort Nassau verfügt. Unter dem Motto „so geht Haushalt heute“ bietet das über 1.000 Mitarbeiter starke Traditionsunternehmen seit fast 60 Jahren Produkte aus den Bereichen Reinigen, Wäschepflege, Küche und Well-Being an. Seit Jahrzehnten wird in dem Unternehmen aber auch die Qualifikation von Nachwuchskräften ganz groß geschrieben. Gleich zwei junge Männer absolvieren zurzeit ihr duales Studium bei Leifheit.

Der 20-jährige Jan Behrens und der ein Jahr ältere Manuel Metz belegen den Bachelor-Studiengang Ingenieurwesen Maschinenbau beim dualen Studienprogramm StudiumPlus der Technischen Hochschule Mittelhessen, das Partner im Dualen Studium Hessen ist. Vorab hatten beide schon ihre Ausbildung bei Leifheit absolviert, Metz zum Werkzeugmechaniker und Behrens zum Industriemechaniker. Gemeinsam haben die beiden jungen Männer, dass sie ohne Abitur studieren, was an hessischen Hochschulen momentan im Rahmen eines Modellversuchs möglich ist. „Um das zu bewältigen, ist schon eine Menge Eigeninitiative gefordert, da wir insbesondere zu Beginn des Studiums einiges an Stoff nachholen mussten“, berichtet Behrens. Allerdings hätten die beiden auch Vorteile gegenüber den Kommilitonen mit klassischer Hochschulreife, erklärt Metz: „Durch unsere Ausbildung bringen wir Praxiserfahrung mit, die wir den Abiturienten voraushaben.“

Betreut werden die beiden Studenten von Jan Niklas Bär, der bei Leifheit als Projektmanager im Bereich Engineering tätig ist. Vom Konzept ist er vollkommen überzeugt: „Das duale Studium verbindet aktuelles Wissen aus der Hochschule mit intensiver Betreuung im Unternehmen, davon profitieren die Studierenden ganz immens.“ In den Praxisphasen, die bei StudiumPlus etwa die Hälfte der Studienzeit umfassen, bearbeiten die Studierenden eigenverantwortlich Projekte, die das Unternehmen tatsächlich weiter bringen. In ihrer ersten Praxisphase waren die beiden Studenten gemeinsam in einem Projekt eingesetzt, für das sie sogar nach Blatná in Tschechien reisen durften, wo Leifheit einen Produktionsstandort hat.

Kerngegenstand des Projekts war die Optimierung der Bestückung einer Pulverbeschichtungsanlage mit Rohrteilen, die später unter anderem im Wäschetrockner „Pegasus“ verbaut werden. „Es war toll, vor Ort zu sehen, wie die Fertigungsprozesse ablaufen und unsere Optimierungsvorschläge im Sinne der so genannten „Lean Production“ einbringen zu können“, schwärmt Behrens. „Die Aufgabe war eine große Herausforderung für uns, aber wir haben unglaublich viel gelernt“, ergänzt Metz. „Was wir im ersten Semester im Modul CAD gelernt haben, konnten wir direkt in der Praxis anwenden. Und es ist ein großes Erfolgserlebnis, dass unsere aus dem Projekt gewonnen Anregungen zukünftig umgesetzt werden“, freuen sich die beiden.  

Rebecca Rohner, duale Studentin im Studiengang Wirtschaftsinformatik, erklärt, warum das duale Studium an der Berufsakademie Rhein-Main die richtige Wahl für sie war.

Wie bist Du zum dualen Studium gekommen?

Ich habe nach einem Studiengang gesucht, der nicht nur einen Bereich abdeckt. Bei meinen Recherchen bin ich dann auf das duale Studienangebot der BA Rhein-Main gestoßen. Nachdem ich mir die Details zu den angebotenen Studiengängen Betriebswirtschaftslehre, Internationale Betriebswirtschaftslehre & Außenwirtschaft und Wirtschaftsinformatik auf der Website angeschaut hatte, fiel meine Entscheidung schnell auf die Wirtschaftsinformatik.

Was gefällt Dir am dualen Studium besonders?

Die theoretischen Themen helfen mir, die Dinge in der Praxis schneller zu verstehen. Dadurch kann ich auch mein Partnerunternehmen besser unterstützen und schon wichtige Aufgaben übernehmen. Was natürlich besonders toll ist – die monatliche Vergütung während des Studiums.

Wie funktioniert das mit dem Partnerunternehmen?

Nach der Bewerbung und dem Auswahlprozess bei meinem Partnerunternehmen haben wir einen Studienvertrag abgeschlossen. Meine Praxisphasen verbringe ich im Unternehmen und bin dort Teil des Teams. Die Bachelorthesis schreibe ich dann zum Beispiel auch über ein Projekt im Unternehmen.

Was begeistert Dich an der Wirtschaftsinformatik?

Die Mischung der verschiedenen Themen finde ich sehr spannend. Man nimmt sozusagen die Vermittlungsfunktion zwischen diesen beiden Bereichen ein und verknüpft betriebswirtschaftliche Gedanken und Zusammenhänge mit der technisch-basierten Systemwelt der Informatik. Für mich ist das in unserer digitalen Welt eine tolle Doppelqualifikation.

Welches Fach ist Dein Favorit?

Ich finde das Modul „Formale Grundlagen der Informatik“ toll, da die Themen dort sehr anschaulich und spannend sind. Man lernt, wie der Name schon sagt, erstmals die Grundlagen der Informatik kennen: Wie kommt alles zustande und welche Probleme kann ich mit verschiedenen theoretischen Ansätzen in der Praxis lösen?

Was gefällt Dir an der BA Rhein-Main am besten?

Es ist vor allem das persönliche Miteinander, welches ich sehr schätze. Durch die kleinen Gruppen wächst man schnell zusammen und unterstützt sich gegenseitig.

Leidenschaft als Voraussetzung!

Verena Strobel

„Ich habe in mich hineingehört und mich gefragt: Was möchte ich gerne machen? Wo liegen meine Stärken?“ Mit diesen Gedanken startet für Verena Strobel der Weg in ein Duales Studium an der Hochschule Darmstadt.


Der Weg
Eigentlich war der Plan ein ganz anderer – sie wollte Pilotin werden. Doch nach langen Assessment-Prozessen hat sie ihren Blick in der Ausbildungslandschaft weiter schweifen lassen und wurde auf das Konzept des dualen Studiums aufmerksam: „Ich sah hier eine große Chance, weil ich sowohl studieren, als auch Geld verdienen kann. Außerdem hat mich gereizt, dass man Sachen in der Theorie vermittelt bekommt, die man dann direkt in der Praxis umsetzen kann. Die perfekte Kombination!“
Auch das Fach stand für sie im Grunde sofort fest: Informatik! „Dank eines Online-Selbsttests war es sehr eindeutig! Das passt einfach zu mir und meinen Hobbies! Ich galt immer schon als kleiner Nerd der Familie.“ Nach der Entscheidung und ihrer Bewerbung ging alles ganz schnell, bereits 4 Monate später hat sie im Unternehmen angefangen.


Der Beruf
„Ich arbeite für die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH – wir sind nicht das Finanzamt! Hier werden die Gelder für die Vorhaben des Bundes bereitgestellt. Mein Schwerpunkt in der IT-Abteilung ist die Anwendungsentwicklung, also die Entwicklung neuer Software.“ In ihrem Tätigkeitsbereich sind Programmierfähigkeiten notwendig, die ihr Informatik-Studium an der Hochschule Darmstadt ergänzen. Während eines Praxissemesters bearbeitet sie ein Projekt im Unternehmen, welches auch in der Hochschule besprochen wird. „Mein aktuelles Projekt bringt mich in die Unternehmenskommunikation. Hier wird für die Entwicklung einer neuen Software ein technischer Experte gebraucht – ich würde mich zwar noch nicht als Expertin bezeichnen, aber schon als technische Ansprechpartnerin!“


Die Kombination aus Studium und Praxis
Für die 24-Jährige ist die Verzahnung von Studieren und Arbeiten sowohl aus organisatorischer, als auch aus inhaltlicher Perspektive ein Zugewinn. So erfährt sie einerseits die Gelassenheit, während der Studiumsphase nicht zusätzlich arbeiten gehen zu müssen und kann andererseits von der thematischen Verknüpfung in beiden Phasen ihrer Ausbildung profitieren:

„Ich hatte vor dem ersten Semester bereits 6 Wochen im Unternehmen – da habe ich Programmieren erst gelernt. Das hat man mir quasi in einem Crash-Kurs beigebracht, damit ich gleich mitarbeiten kann. Diese Zeit war so hilfreich und effektiv, dass ich damit gewissermaßen das erste Semester Programmieren an der Hochschule schon abgehakt hatte.“

„Es gibt auch einen starken Einfluss des Studiums auf meine Arbeit im Unternehmen: In meiner aktuellen Tätigkeit ist ein großer Anteil auch das Projektmanagement. Da ich dieses Thema bereits im Studium behandelt habe, Fachbegriffe und Konzepte kenne, kann ich mitreden und fühle mich viel integrierter. Theorie und Praxis laufen nicht parallel, sondern greifen ineinander!“


Rückblick und Ausblick
Für Verena Strobel war die Entscheidung für das Duale Studium genau richtig, da sie ihre Begeisterung für Informatik sowohl zum Beruf, als auch zum Studium gemacht hat. Nach Abschluss des Bachelors kann sie Berufserfahrung und fundiertes Fachwissen vorweisen. Ihr Fazit und Rat an Interessierte: „Mit Leidenschaft, kann man auch notwendige Disziplin für ein duales Studium aufbringen!“

Mit Rückenwind zum nächsten Schritt!

Florian Keil

Ein Kooperationsunternehmen für sein duales Studium musste sich Florian Keil nicht suchen, denn die Idee dazu ging von seinem Arbeitgeber, der ENTEGA AG, aus – zu diesem Zeitpunkt war er bereits über 15 Jahre dort beschäftigt. „Als mein Arbeitgeber auf mich zukam, war das ein gutes Gefühl!”


Die Entscheidung
Nach dem Realschulabschluss, einer abgeschlossenen Lehre, einer Ausbildung zum Handwerksmeister sowie einer Zusatzausbildung zum Kraftwerksmeister für Elektrotechnik und Leittechnik war er sechs Jahre lang als Projektleiter und stellvertretender Instandhaltungsleiter im Müllheizkraftwerk in Darmstadt tätig. „Und dann wurde ich von meiner Chefin angesprochen, ob ich mir denn vorstellen könnte nochmal ein Studium durchzuführen - mit der Aussicht auf weiterführende Tätigkeiten im Kraftwerk.“
Für Florian Keil gehörte ein Blick auf Weiterbildungsmöglichkeiten immer zu seinem beruflichen Selbstverständnis. „Ich habe mir nach meiner Meisterausbildung schon meine Gedanken gemacht, was man so machen kann, um beruflich weiter zu kommen. Jedoch habe ich schon gut verdient und wollte nicht mehr zurück. Sich beispielsweise für ein Studium freistellen zu lassen, war aus finanzieller Sicht für mich keine Option! Und ich wollte auch nicht aus dem Unternehmen ausscheiden, weil ich dort einfach gerne arbeite.“ Als dann die Initiative für die nächste Etappe von den Vorgesetzten kam, war das ein willkommener und geschätzter Rückenwind für seinen nächsten Karriere-Schritt.
„Mit 22 hätte ich gleich ja gesagt; so war jetzt erstmal die Rücksprache mit meiner Familie notwendig.“ Ganz bewusst fällt die Entscheidung auf das duale Studium und nicht auf eine berufsbegleitende Variante, bei der er eine zu hohe zeitliche Belastung für sich und seine junge Familie sah.


Die Kombination
Im Sommersemester 2017 beginnt Keil das duale Bachelor-Studium der Elektro- und Informationstechnik an der Hochschule Darmstadt. So waren sich Beruf und Studium nicht nur inhaltlich nah. „Nach der Uni kann man immer nochmal kurz in der Firma vorbeischauen.“

Florian Keil erfährt in den ersten vier Semestern seines dualen Studiums, dass Lernen Spaß machen kann und man durch theoretischen Input auch eine andere Perspektive auf berufliche Themenfelder erhält. „Man bekommt für den Beruf jetzt doch noch einen tieferen Einblick in die Materie – auch was die Technik angeht.“ Doch nicht nur eine thematische Festigung des berufsspezifischen Wissens, sondern auch eine allgemeine Beeinflussung der Arbeitsweise kann der duale Student rückblickend ausmachen. „Man erlernt auch eine allgemeine Herangehensweise und merkt wirklich wie man sich mehr strukturiert.“


Der Ausblick
Nach dem Bachelor wird er eine neue Stelle im Kraftwerk der ENTEGA AG beginnen und neue Aufgaben und Herausforderungen angehen. Die Freude auch wieder in Vollzeit beschäftigt zu sein fest im Blick, ist er für mögliche Weiterbildungsoptionen weiterhin offen. Auf die Frage, ob er sich nochmal für ein duales Studium entscheiden würde, antwortet Florian Keil sofort und entschlossen: „Ja!“