Unternehmensberichte

Wie sieht die Kooperation zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen in der Praxis aus? Welche Vorteile bietet das Duale Studium Hessen für Unternehmen? 

Auf den folgenden Seiten berichten Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertreter aus dem Dualen Studium Hessen.

Interview mit Nadja Sauerwein, Personalentwicklung, R+V Allgemeine Versicherung AG

Die R+V Versicherung beschäftigt deutschlandweit ca. 15.000 Mitarbeiter, darunter aktuell 454 Auszubildende und dual Studierende. Eine duale Ausbildung kann als Kaufmann bzw. Kauffrau für Versicherung und Finanzen und Fachinformatiker/in absolviert werden. Zu den angebotenen dualen Studiengängen gehört unter anderem der Bachelor of Science in Versicherungs- und Finanzwirtschaft und der Bachelor of Science in Angewandter Informatik oder Wirtschaftsinformatik.

Gibt es nach Ihren Erfahrungen spezielle Anforderungen und Voraussetzungen, die ein Unternehmen für eine Beteiligung am dualen Studium erfüllen sollte?

Sauerwein: Erst einmal ist es wichtig, dass man als Unternehmen bereit ist, die finanziellen Voraussetzungen zu erfüllen. Nachwuchskräfte im dualen Studium sind keine billigen Arbeitskräfte, sondern sollten als Investition in die Fach- und Führungskräfte von morgen gesehen werden.

Sehr häufig unterschätzen Unternehmen auch den erforderlichen Betreuungsaufwand. Hier ist Voraussetzung, dass ausreichend Fachkräfte im Unternehmen sind, die auch Kapazitäten haben, die Studierenden zu betreuen. Die Nachwuchskräfte kommen direkt nach ihrem Schulabschluss mit Abitur oder Fachabitur ins Unternehmen. Sie sind wie ein weißes Blatt Papier und wissen über den Geschäftsbereich Versicherungen nahezu gar nichts. Da muss man erst einmal viel Zeit in die Betreuung investieren. Dabei sollten die Betreuenden neben der fachlichen Qualifikation auch Spaß am Umgang mit jungen Menschen haben.

Was waren bei der Auswahl der Bildungsanbieter die entscheidenden Kriterien für Ihr Unternehmen?

Sauerwein: Prinzipiell gehen wir so vor, dass wir uns zunächst die Inhalte eines Studiengangs anschauen und prüfen, ob das zu unserer Praxis passt. Wir haben ganz verschiedene Sparten und Abteilungen, die unterschiedliche Anforderungen an das Studium haben. Nach Studienabschluss sollen die Fachkräfte über Spezialwissen verfügen, deswegen achten wir ganz genau auf die Studieninhalte und den Ablauf. Wir prüfen auch, ob der Studiengang ausbildungsintegriert ist, wie das Zeitmodell aussieht und wir berücksichtigen, ob wir mit der entsprechenden Hochschule bereits kooperieren. Wenn bereits eine Kooperation besteht, mindert es das Risiko und macht die Koordination einfacher.

Wie lange war die Vorlaufzeit, bis die Kooperation mit dem Bildungsanbieter zustande kam und welche Tipps können Sie anderen Unternehmen geben, die sich an dualen Studienmodellen beteiligen wollen?

Sauerwein: Wenn wir eine neue Ausbildungsmöglichkeit über ein duales Studium anbieten möchten, starten wir etwa ein Jahr im Voraus mit der Planung. Der Vorlauf ist schon wegen der internen Prozesse und Vorbereitung notwendig. Auch die Hochschule benötigt Planungsvorlauf und muss wissen, mit wie vielen Studierenden in den nächsten Anfangssemestern zu rechnen ist. Im Unternehmen muss sich auch rechtzeitig um die Rekrutierung gekümmert und etwa ein Jahr vorher die dualen Studienplätze ausgeschrieben werden. Wenn man ein Jahr vor Studienbeginn noch nicht weiß, mit welcher Hochschule man kooperiert, wird es schwierig.

Unternehmen, die sich neu am dualen Studienmodell beteiligen möchten, rate ich, sich mit anderen Unternehmen auszutauschen, die schon im entsprechenden Studiengang Kooperationspartner sind. Auf den Webseiten der Bildungsanbieter gibt es meist eine Auflistung der Kooperationsunternehmen. So können einfach ein paar Unternehmen kontaktiert werden und um Austausch gebeten werden. Der Austausch hilft auf jeden Fall und beantwortet wichtige Fragen, die bei der Planung aufkommen. Wir haben bei den ausbildungsintegrierten Studiengängen auch immer mit der IHK gesprochen, wie auch mit den Hochschulen. Mit den Ansprechpartnern kann man das Konzept durchgehen und offene Fragen klären.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit ihren Bildungspartnern generell?

Sauerwein: Die Zusammenarbeit läuft immer sehr gut. Wir haben einmal im Semester Austauschtermine mit den Bildungspartnern, bei denen wir in die Hochschule eingeladen werden. Dabei kommen Vertreter und Vertreterinnen der Kooperationspartner zusammen und es wird vorgestellt, was es Neues gibt und welche Anpassungen in dem Curriculum vorgenommen werden. Als Kooperationspartner kann man Feedback geben, was immer gut angenommen wird. Neben diesen Terminen gibt es immer die Möglichkeit, sich an die Ansprechpartner der Hochschule zu wenden und bilateral Fragen zu klären.

Erhalten Sie Rückmeldungen von den Bildungsanbietern zu den akademischen Leistungen Ihrer dual Studierenden?

Sauerwein: Nein, die Bildungsanbieter geben uns hierzu keine Informationen. Wir haben eine interne Regelung mit den Studierenden, dass sie uns nach jedem Semester ihre Leistungsübersicht mit den Noten zuschicken. Das dient weniger der Leistungskontrolle sondern vielmehr darum, dass wir rechtzeitig Probleme erkennen können und unterstützen können.

Wie werden dual Studierende in den Praxisphasen bei der Entwicklung von Handlungskompetenzen unterstützt?

Sauerwein: Für alle Studierenden wie auch für die Auszubildenden gibt es zu Studienbeginn eine Einführungsphase mit den Verantwortlichen aus der Personalentwicklung. Wir bieten Schulungen zu Lern- und Arbeitsstrategien, Gesundheitsthemen, Technik- und Versicherungsthemen, aber auch Seminare zu Soft Skills, Teambuilding, etc., an.

Handlungskompetenzen werden über die kompletten Praxisphasen gefördert, da die Studierenden in den Fachabteilungen anspruchsvolle Aufgaben erhalten. Wir haben auch so genannte Azubi-Projekte, bei denen Studierende mit Azubis über ganz Deutschland verteilt in Projekten arbeiten. Hier werden unter anderem agile Projektmethoden wie Scrum eingesetzt, die das eigenverantwortliche Arbeiten fördern.

Darüber hinaus bekommen die Studierenden regelmäßig Feedback in den Fachabteilungen, wodurch die Persönlichkeit und auch die Fachkenntnisse gestärkt werden.

Wie gestalten sich die Projektarbeiten dual Studierender in den Praxisphasen?

Sauerwein: Wie bei dem Azubi-Projekt mit agilen Projektmethoden geht es um eigenverantwortliches Arbeiten, aber die Studierenden arbeiten soweit möglich auch in den Fachbereichen im Projekt- und Tagesgeschäft mit. Dabei werden die Studierenden von ihren Fachausbildern im Fachbereich unterstützt und erhalten angepasst an ihren Lernstand entsprechend eigenständige Aufgaben.

Welche Instrumente nutzen Sie zur Steuerung? Gibt es Ausbildungs-, Qualifizierungs- bzw. Ablaufpläne und Feedbackmöglichkeit für dual Studierende?

Sauerwein: Wir haben zum einen die bereits beschriebene Einarbeitungsphase, bei der die Studierenden bei uns in der Personalentwicklung bzw. Organisationsentwicklung sind, an Schulungen teilnehmen und sich gegenseitig kennenlernen. Darüber hinaus erhält jeder Studierende einen Einarbeitungsplan. Diese Einarbeitungspläne werden vorab mit der Ausbildungsabteilung abstimmt, so dass für jede Studierende bzw. jeden Studierenden ein strukturierter Ablaufplan vorliegt. Hinzu kommen Ausbildungspläne als ein klar strukturiertes Instrument.

Außerdem haben wir individuelle Qualifizierungspläne in den Abteilungen. Hier wird immer wieder geschaut, wie sich die Studierenden entwickeln, wie der Fortschritt ist und welche Schulungen oder Hospitationen individuell noch benötigt werden. Nach jeder Praxisphase oder spätestens nach sechs Monaten erhalten die Studierenden eine Beurteilung. Dafür haben wir einen standardisierten Beurteilungsbogen, den jeder Ausbilder bzw. jede Ausbilderin nutzt. Für alle Studierenden und Auszubildenden gelten die gleichen Kriterien, die vorher mit den Auszubildenden und Studierenden besprochen werden. Dazu kommen kleinere Feedback-Gespräche, die zwischendurch geführt werden.

Alle drei bis sechs Monate gibt es noch Austauschtermine mit der Ausbildungsabteilung, also zwischen den Studierenden und der Ausbildungsabteilung, aber auch zwischen den Ausbildenden und der Ausbildungsabteilung.

Studierenden erhalten auch die Möglichkeit, ihrerseits Feedback zu geben, auch dafür gibt es einen standardisierten Feedbackbogen. Dadurch besteht die Möglichkeit, die Ausbildung mitzugestalten. Es gibt diverse festgelegte Schritte für bestimmte Gespräche mit den Studierenden und der Fachabteilung, damit der oder die Studierende auch frühzeitig weiß, wie die Übernahmemöglichkeiten aussehen und an welchem Punkt der Ausbildung er oder sie sich gerade befindet. Die Prozesse sind bei uns, soweit es geht, einheitlich innerhalb der jeweiligen Modelle und Studiengänge.

Diese klaren Prozessstrukturen und Standards sind notwendig, um in einem großen Unternehmen eine gute Organisation der Ausbildung zu gewährleisten. Die Studierenden unterhalten sich ja auch untereinander, da ist es wichtig, dass die Abläufe einheitlich und vergleichbar sind.

Wie gehen Sie im Unternehmen mit Lernschwierigkeiten um? Gibt es Unterstützung im Unternehmen, beispielsweise Mentoring oder unterstützen sich die Studierenden gegenseitig?

Sauerwein: Sowohl als auch. Wenn wir merken, dass eine Studierende bzw. ein Studierender Lernschwierigkeiten hat, ist das erste Instrument Nachhilfe, entweder mit Kommilitoninnen und Kommilitonen aus dem gleichen Jahrgang oder auch aus höheren Jahrgängen. Wenn beispielsweise jemand durch eine Prüfung gefallen ist, dann schauen wir, wer den Stoff gut bewältigt hat und bringen die beiden zusammen. Das ist auch während der Arbeitszeit in regelmäßigen Abständen möglich, etwa einmal pro Woche.

Zum anderen haben wir auch klassische Unterstützung durch die Ausbildungsabteilung und wir bieten Kurse zur Prüfungsvorbereitung an. Wir unterstützen auch durch individuelle Lernbegleitung, wenn wir bemerken, dass eine Studierende bzw. ein Studierender intensiver begleitet werden muss, etwa indem wir gemeinsam einen Lernplan erstellen.

Gibt es zum Abschluss noch etwas, was Sie einem Unternehmen, das sich für eine Beteiligung am dualen Studienmodell interessiert, mit auf den Weg geben möchten?

Sauerwein: Aus unserer Erfahrung lohnt es sich, dual Studierende einzusetzen. Man bekommt dadurch frischen Wind in das Unternehmen. Die Studierenden sind meistens hoch motiviert und nach dem Studienabschluss hat das Unternehmen sehr gut ausgebildete Fachkräfte, auch wenn man am Anfang viel anleiten muss und der Betreuungsaufwand nicht unterschätzt werden sollte. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht und werden das Programm noch weiter ausbauen.

Interview mit Markus Michels, Geschäftsführer focus Industrieautomation, Merenberg

Focus Industrieautomation (www.focus-ia.de) ist ein international tätiges Unternehmen der Software-Branche mit den Schwerpunkten IT und Automatisierungstechnik. Das Unternehmen bietet branchenübergreifende Lösungen für die Prozess- und Fertigungsindustrie.

Der Betrieb mit 30 Mitarbeitenden bildet Fachinformatikerinnen und -informatiker für Anwendungsentwicklung aus. Seit 2009 beteiligt sich die Firma am dualen Studienmodell StudiumPlus der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in den Studiengängen Technische Informatik, Elektrotechnik und seit 2017 auch in dem neuen Studiengang Softwaretechnologie. Aktuell sind zwei dual Studierende beschäftigt.

Gibt es aufgrund Ihrer Erfahrungen spezielle Anforderungen und Voraussetzungen, die ein Unternehmen für eine Beteiligung am dualen Studium erfüllen sollte?

Michels: Grundsätzlich ist von Vorteil, wenn man schon Ausbildungsbetrieb ist und hier auf Erfahrungen zurückgreifen kann. Man muss sich im Betrieb ja adäquat um die Studierenden kümmern können. Die Praxisphasen müssen gut betreut und begleitet werden, man muss die Themen für die Praxisarbeiten definieren, die inhaltlich zum Unternehmen passen, aber auch ein akademisch angemessenes Niveau haben sollen. Hier ist gute Betreuung notwendig und da war für uns hilfreich, dass wir aus der dualen Ausbildung schon Erfahrungen hatten.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihren Bildungspartner für duale Studiengänge ausgesucht?

Bei der THM ist neben dem passenden Studienangebot natürlich auch die regionale Nähe entscheidend. Unsere dualen Studenten studieren am Standort Wetzlar, das ist für uns ideal, ebenso wie der neu hinzugekommene Studienstandort Limburg. Es finden im Rahmen des dualen Studiums ja auch immer wieder Termine an der Hochschule statt, an denen wir teilnehmen, das ist aufgrund der räumlichen Nähe auch gut für mich machbar, weil ich nur eine halbe Stunde Anfahrtsweg habe.

Da kann man meines Erachtens auch keine allgemeingültige Empfehlung für nur einen einzigen Bildungsanbieter abgeben, letztendlich müssen die Fachrichtungen und Inhalte zum Unternehmen passen, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass man die Absolventinnen und Absolventen nach dem Studium ja auch übernehmen will.

Welche Anforderungen hat die THM an Ihr Unternehmen gestellt? Waren besondere Vorbereitungen wichtig?

Michels: Vor allem müssen die fachlichen Kompetenzen im Unternehmen vorhanden sein. Also, wenn ich beispielsweise Elektrotechnik anbiete, dann brauche ich auch Leute im Unternehmen, die das beherrschen und vermitteln können. Sinnvoll ist sicher auch, dass die oder der Praxisbetreuende im Unternehmen über einen gleichwertigen Abschluss verfügt, denn spätestens in der ersten Praxisphase muss ja die Leistung der Studierenden bewertet werden. Und das geht nur, wenn man fachlich Ahnung vom Thema hat und in der gleichen Liga spielt.

Wie lange war die Vorlaufzeit, bis die Kooperation mit der Hochschule zustande kam?

Michels: Die Abstimmung mit der THM ging damals relativ schnell, ich denke, das war ein Zeitraum von ungefähr drei Monaten. Allerdings war der Entscheidungsprozess, also die generelle Frage, ob wir uns am dualen Studium beteiligen oder nicht, deutlich länger. Nach der grundlegenden Entscheidung ging es dann recht schnell. Wir hatten uns damals überlegt, dass wir das duale Studium gerne anbieten möchten, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu rekrutieren.

Haben Sie Tipps für Unternehmen, die noch in der Entscheidungsfindung sind?

Michels: Bei der Entscheidung, sich am dualen Studium zu beteiligen, muss man sich als Unternehmen die Frage stellen: Was will ich damit erreichen, was ist mein mittelfristiges Ziel? Wenn ich  dual Studierende einstelle, dann kostet mich die Person ja erst einmal Geld und steht mir nur eingeschränkt zur Verfügung. Zwar kann sie oder er in der Praxisphase durchaus einen Beitrag für das Unternehmen leisten, aber der Mehrwert und Nutzen für das Unternehmen stellt sich ja erst mittelfristig ein, wenn die Nachwuchskraft tatsächlich im Unternehmen verbleibt.

Ganz praktisch würde ich empfehlen, sich mit der Hochschule oder Berufsakademie auseinanderzusetzen, einen Termin zu machen und sich umfassend zu informieren. Das Angebot sollte man als Unternehmen nutzen. Die THM bietet beispielsweise auch Netzwerkveranstaltungen, wo Austauschmöglichkeiten mit anderen Unternehmen bestehen. Für mich ist dabei interessant, dass ich auf Unternehmen aus ganz anderen Branchen treffe, zu denen ich sonst gar keinen Kontakt hätte. So kann man in lockerer Runde ganz zwanglos das ein oder andere Thema besprechen und Fragen klären. Das finde ich immer recht interessant. Und gerade wenn man als Unternehmen neu in das duale Studium einsteigen möchte, kann ich das nur empfehlen.

Wie läuft die Bewerbersuche? Unterstützt Sie die Hochschule bei der Suche nach geeigneten Bewerbern?

Michels: Die THM hat ein Portal für Stellenausschreibungen, dort können wir uns als Unternehmen mit unseren Angeboten eintragen lassen. Die offenen Stellen werden einmal jährlich im Vorfeld von der THM abgefragt. Wir sind aber auch sehr viel auf Bildungsmessen unterwegs und beteiligen uns an Schulveranstaltungen zur Berufsorientierung, um unsere Ausbildungsstellen und dualen Studiengänge zu bewerben.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Hochschule?

Michels: Die Abstimmung mit der THM funktioniert sehr gut, auch mit den Ansprechpersonen haben wir positiven Austausch, man trifft sich auch immer wieder mal auf den Bildungsmessen. Aber auch der Austausch mit den Lehrenden während der Praxisphasen funktioniert sehr gut.

Das heißt, die betreuenden Professorinnen und Professoren kommen während der Praxisphase zu Ihnen ins Unternehmen?

Michels: Ja, mindestens einmal pro Praxisphase. Das ist auch notwendig, denn wenn es später um die Bewertung der Leistung in den Praxisphasen geht, dann ist es sehr hilfreich, wenn sich  Praxisbetreuende und betreuende Lehrende schon einmal getroffen und ausgetauscht haben.

In welchem Umfang können die akademischen Inhalte in den Praxisphasen umgesetzt werden?

Michels: Für den Bereich Elektrotechnik würde ich sagen, etwa 70 Prozent können umgesetzt werden, aber auch erst in den höheren Semestern. In den ersten beiden Semestern ist es immer ein bisschen schwierig, denn da erfolgt vor allem Grundlagenvermittlung. Wir als Software-Unternehmen haben da nicht so die Transfermöglichkeit, und die Programmierthemen kommen erst in den höheren Semestern, vor allem auch in den Wahlpflichtfächern. Da kommen wir dann auf etwa 70 Prozent Theorie-Praxis-Transfer.

Bestimmen Sie die Inhalte der Praxisphasen selbst oder gibt es Vorgaben von der Hochschule?

Michels: Die Inhalte werden von uns in Abstimmung mit der Hochschule festgelegt. Es gibt ein Modulblatt für die Praxisphase, dort tragen wir das Thema ein und melden es an die Hochschule zurück. Nach Ende der Praxisphase präsentieren die Studierenden ihre Ergebnisse an der Hochschule. Bei diesen Terminen sind die Praxisbetreuenden dabei, so haben wir auch einen ganz guten Vergleich mit anderen Arbeiten.

Wir haben schon den Anspruch, dass unsere Praxisthemen vom Niveau her angemessen und relevant für das Unternehmen sind. Da stellen wir aber durchaus Unterschiede im Vergleich mit anderen Unternehmen fest. Unsere Themen sind meist aus der Programmierung, wobei der Anspruch mit dem Studienverlauf steigt. Wir versuchen auch, dass wir das Projekt später wiederverwerten können, was aber nicht immer klappt.

Nach welchen Kriterien werden die Leistungen der Praxisphase benotet?

Michels: Es gab eine Vorgabe von der Hochschule. Aber wir haben hier zusätzlich intern ein eigenes Bewertungsschema, einen Kriterienkatalog mit mehreren Punkten, die wir zur Bewertung anlegen. Also etwa, wie engagiert ein Studierender ist, oder Softskills wie Zuverlässigkeit, aber auch fachlich-technische Aspekte.

Sie verwenden also ein standardisiertes Bewertungsschema?

Michels: Ja, genau. Das haben wir für uns ausgearbeitet und benutzen es auch in etwas abgespeckter Form für die Beurteilung von Praktikanten, die auch immer ein qualifiziertes Zeugnis bekommen. Das Schema hilft uns auch bei der Abstimmung mit der Hochschule, da muss man ja begründen können, wie die Beurteilung zustande gekommen ist.

Sind nach Ihrer Meinung die Leistungen der Praxisphasen in der Studienleistung ausreichend berücksichtigt?

Michels: Ich finde die geltenden Regelungen in Ordnung. Ein duales Studium ist immer noch ein vollwertiges Hochschulstudium, bei dem der Schwerpunkt auf der Vermittlung von wissenschaftlichen Kenntnissen und Herangehensweisen liegt. Das ist der Werkzeugkasten, den ich nachher im Berufsleben brauche. Im Studium bekommt man sicherlich mehr Inhalte vermittelt, als man später verwenden kann. Im dualen Studium ist das noch etwas stärker auf die Berufsbefähigung zugeschnitten als im Regelstudium. Aber von dem, was ich beispielsweise während meines Studiums gelernt habe, brauche ich heute nur einen kleinen Teil. Aber letztendlich geht es um die Herangehensweise, die man im Studium lernt. Von daher finde ich schon, dass das die Gewichtung in Ordnung ist.

Was würden Sie einem Unternehmer mit auf den Weg geben, der sich überlegt, das duale Studium anzubieten?

Michels: Ich finde es interessant, dass es immer noch Betriebe gibt, die noch gar nicht darüber nachgedacht haben, gerade im Hinblick auf den immer größer werdenden Mangel an Fachkräften. Klar, der Wettbewerb wird größer, wenn sich immer mehr Unternehmen am dualen Studium beteiligen und Stellen ausschreiben. Aber junge Menschen mit Schulabschluss fordern das ein, die wollen das machen, also muss ich mich als Unternehmen darauf einstellen. Wenn ich übermorgen nicht ohne Personal da stehen will, dann muss ich da was tun. Der Fachkräftebedarf erfordert neue Wege, und da kommt man am dualen Studium einfach nicht vorbei.

Ein Praxisbericht von Michael Donges, Personalleiter Roth Industries GmbH & Co. KG

Michael Donges

Von der Stellenausschreibung bis zur Einstellung: der Auswahlprozess von dual Studierenden in einem Unternehmen

Der Teilarbeitsmarkt für dual Studierende hat in den letzten Jahren eine Dynamisierung erlebt. Sehr viele Schulabgänger mussten sich vor einigen Jahren noch entscheiden, eine praktische Ausbildung oder ein Hochschulstudium zu durchlaufen. Mit dem Angebot des dualen Studiums ist eine erfolgreiche Kombination aus Theorie und Praxis entstanden. Einige Hochschulen haben diese Chance für sich erkannt und bieten seit Jahren ein immer breiteres und praxisrelevanteres Studienangebot an, in dem sich Unternehmen sowie Schülerinnen und Schüler immer spezifischere und passendere Pakete auswählen können.

Nachdem das Unternehmen sich aus dem vielfältigen Angebot von möglichen dualen Studiengängen und Schwerpunkten die passenden Studienangebote ausgewählt und sich mit dem Bildungsanbieter abgestimmt hat, muss es mit geeigneten Maßnahmen den potentiellen Arbeitsmarkt darüber informieren und adäquate Bewerberinnen und Bewerber ansprechen. Hier fängt mit der Stellenausschreibung das Bewerbungsverfahren an.

Das Unternehmen muss durch eine interessante und ansprechende Stellenannonce auffallen, um sich gegenüber anderen Wettbewerbern bei den interessierten Bewerberinnen und Bewerbern durchzusetzen. Wurden bis vor einigen Jahren die Stellenannoncen noch klassisch in Printmedien platziert, ist heute ein Mix aus verschiedenen Medien erfolgversprechend - die Digitalisierung über Internetauftritt, Studien- und Jobbörsen im Internet (manche Bildungsanbieter bieten auch eigene Stellenportale für duale Studiengänge) und sozialen Medien wird auch in diesem Bereich der Personalrekrutierung immer wichtiger, um interessant und attraktiv zu wirken und somit hohe Quantität und Qualität bei den Bewerbungseingängen verzeichnen zu können. Außerdem ist die Mitwirkung bei ausgewählten Berufs- und Ausbildungsmessen in den Schulen oder in den Hochschulen zu empfehlen, um dort face to face mit potentiellen Ausbildungsinteressierten ins Gespräch zu kommen.

Neben den externen Bewerberinnen und Bewerbern für zu besetzende Stellen für duale Studienplätze sind die eigenen Beschäftigten und Auszubildenden sehr interessant. Gerade die Auszubildenden kennen das eigene Unternehmen schon aus der bis zu 3,5-jährigen Ausbildungszeit mit den gefühlten Stärken und Schwächen. Entscheiden sich  Auszubildende, nach erfolgreichem Ausbildungsende ein duales Studium im eigenen Unternehmen zu durchlaufen, ist die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte und gute Mitarbeit im Unternehmen sehr hoch. Die Vertragspartner - Unternehmen und künftige dual Studierende - kennen und schätzen sich. Das Risiko des Scheiterns wird somit minimiert. Außerdem kann i.d.R. davon ausgegangen werden, dass durch die Kombination von vorgeschalteter Ausbildung und nachfolgender dualer Studienzeit die Loyalität zum Unternehmen ausgebaut und gefestigt wird. Und genau das ist es, was Unternehmen sich wünschen und brauchen - nach den Jahren der zeitlichen und finanziellen Investitionen in die dual Studierenden soll eine langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit erfolgen. Je besser Unternehmen und dual Studierende sich kennen und schätzen, desto höher ist diese Erfolgschance.

Nachdem interne und externe Bewerbungen für die zu besetzenden dualen Studienplätze vorliegen, gilt es - wie bei allen Stellenbeschreibungen - den richtigen Bewerber/die richtige Bewerberin auszuwählen. Nach Sichtung der Lebensläufe und Qualifikationsnachweisen ist meist eine Vorauswahl durchzuführen, damit in der nächsten Stufe in Vorstellungsgesprächen und in Assessmentcentern neben den nachgewiesen Zeugnisnoten die weichen Faktoren ermittelt werden können. Im Auswahlverfahren ist es wichtig, dass man durch geschickte Fragestellungen die wesentliche Motivation und Zukunftsplanung des bzw. der Bewerbenden erkennen kann. Diese Phase des Auswahlverfahrens ist mitunter zeitintensiv. Hier sollte man nicht an falscher Stelle an Zeit sparen wollen. Das Bewerbungsverfahren ist an dieser Stelle sehr wichtig - nicht nur, um die geeigneten Personen zu finden, sondern diese auch im Verlaufe dieser Phase vom eigenen Unternehmen zu überzeugen. Sehr gute Bewerberinnen und Bewerber haben i.d.R. verschiedene Angebote an dualen Studienplätzen. Das eigene Unternehmen muss eine grundsätzliche attraktive Außenwirkung besitzen und das Interesse der Bewerbenden finden, aber spätestens im Vorstellungsgespräch sollten die bestehenden Vorteile des Unternehmens unmissverständlich und überzeugend vermittelt werden.

Bei Bewerberinnen und Bewerbern, die die Ausbildung im eigenen Unternehmen im zeitlichen Vorfeld durchlaufen haben, kennt das Unternehmen grundsätzlich die theoretischen und praktischen Leistungen und das Potenzial, hier erübrigt sich oftmals das Prüfen von faktischen Leistungsmerkmalen via schriftlichen und praktischen Eignungstests. Bei Externen sollte im Auswahlprozess ein solcher Test noch integriert werden, um möglichst sicherzustellen, dass die in Schulzeugnissen nachgewiesenen Leistungen in der beruflichen Sphäre relevant und passend sind.

Nach dem geführten Vorstellungsgespräch, Assessmentcenter und evtl. schriftlicher und praktischer Leistungsprobe sollte eine unverzügliche Entscheidung erfolgen. Die ausgewählte Person sollte zeitnah zum Vertragsgespräch eingeladen werden, um ihr persönlich die Vertragsregelungen zu erklären, um anschließend den Vertrag erfolgreich abzuschließen. Diese zügige und persönliche Vorgehensweise zeigt der Bewerberin bzw. dem Bewerber eine wichtige und überzeugende Wertschätzung. Der Bewerbungsprozess kann somit erfolgreich beendet werden.

Innerbetrieblicher Umgang mit dual Studierenden

Im Rahmen eines vorgeschalteten erfolgreichen Auswahlprozesses wurden geeignete Bewerberinnen und Bewerber für die Besetzung von dualen Studienplätzen gefunden. Dieser Prozess liegt je nach Unternehmen einige Monate vor Beginn des Studiums.

Damit Unternehmen und Studierender in den anstehenden dualen Semestern zufrieden miteinander erfolgreich agieren können, ist eine geeignete Implementierung der oder des dual Studierenden in der Unternehmenssphäre immens wichtig. Dieser Prozess beginnt schon im Auswahlverfahren, indem die (ausgewählten) Bewerberinnen und Bewerber im eigenen Unternehmen den im späteren Prozess Beteiligten vorgestellt werden. Erfolgssteigernd ist, dass im Auswahlprozess neben der Personalleitung die späteren Praxisbetreuenden beteiligt sein sollten, da sie und die dual Studierenden im Tagesgeschäft miteinander gut zusammenarbeiten müssen.

Vor dem Start des dualen Studium ist es zweckmäßig und wertschätzend, wenn das Unternehmen den dual Studierenden einige Wochen vorher noch weitere Informationen und Unterlagen zum Unternehmen und der anstehenden Zusammenarbeit zusendet, möglichst mit Zeitplänen und Ansprechpersonen.

Möglicherweise bietet das Unternehmen den dual Studierenden idealerweise zwischen Schulabgang und Beginn des dualen Studiums noch die Möglichkeit, sich durch eine zeitlich befristete Anstellung praktisches Wissen über das Unternehmen anzueignen und schon persönliche Kontakte zu den späteren Kolleginnen und Kollegen aufzubauen.

Oft bieten die Studienordnungen und die davon abgeleiteten Arbeitsverträge die Möglichkeit, einige Monate vor Beginn des Studiums in einer Einführungs- oder Kennenlernphase wichtige praktische Strukturen kennen zu lernen.

Wenige Wochen vor Vertragsbeginn sollte die Belegschaft, insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die später mit den dual Studierenden direkt oder indirekt zusammenarbeiten, über die Einstellung mit Namensnennung und Studiengang informiert werden, um mögliche Vorbehalte oder Unsicherheiten zu minimieren.

Wenn die dual Studierenden vor Beginn des Studiums eine Ausbildung im eigenen Unternehmen erfolgreich durchlaufen haben, erübrigen sich einige Informationen an die Belegschaft, da diese vorher schon dort bekannt sind. Bei extern eingestellten dual Studierenden ist es wichtig, bei Vertragsbeginn diese persönlich bei der Belegschaft in geeignetem Rahmen vorzustellen, insbesondere bei den direkten Kolleginnen und Kollegen.

Werden mehrere dual Studierende im Unternehmen beschäftigt, ist es erfolgversprechend, die Kontakte zwischen diesen herzustellen, häufig auch den Kontakt zu ehemaligen dual Studierenden, um von Anfang an eine gute Willkommenskultur zu bieten.

In den Praxisphasen sind dual Studierende auf die Mitwirkung und Zusammenarbeit mit den Praxisbetreuenden angewiesen. Sie  müssen im Vorfeld die Ziele und den Umfang der Maßnahme kennen. Gleichzeitig muss ihnen bewusst sein, dass sie einen erheblichen und teilweise prägenden Einfluss auf die dual Studierenden haben. An dieser Zusammenarbeit zwischen Praxisbetreuenden und dual Studierenden zeigt sich oftmals der Erfolg. Jegliche Unsicherheiten in der Praxisphase sollten vermieden werden. Hier ist neben der Abstimmung mit der Hochschule auch eine solide und aussagekräftige Planung im Betrieb wichtig: Wer hat wann was und wo zu erledigen? Welche praktischen und theoretischen Inhalte sollen vermittelt werden? Wie kann Gelerntes gefestigt werden? Welche Meilensteine werden gesetzt? Viele Fragen sind in der Planung zu klären, damit alle Beteiligten genügend Informationen haben, um die Zusammenarbeit erfolgreich werden zu lassen. Bei der Festlegung der Aufgabenbereiche für die Phasen der Projektbearbeitung sollte eine Abstimmung zwischen Praxisbetreuenden und dual Studierenden stattfinden, um Aufgabenthemen zu finden, die einerseits das Unternehmen weiterbringen aber auch das Interesse des bzw. der dual Studierenden finden. So erhöht sich die Chance, dass eine hohe Motivation besteht, das gestellte Thema sehr gut zu bearbeiten. Die Themenstellung sollte sich an der langfristigen Berufsplanung über das Studium hinaus orientieren, damit das erarbeitete Fachwissen langfristig im Unternehmen entsprechend eingesetzt werden kann.

Die Einhaltung dieser Planung, bzw. das Besprechen evtl. erforderlicher Plananpassungen sollten den Beteiligten jederzeit das Gefühl vermitteln, zielgerichtet und systematisch vorzugehen.

Es ist wichtig, seitens der Personalleitung in regelmäßigen Abständen nach dem beruflichen Wohlbefinden der dual Studierenden nachzufragen, um evtl. Fragestellungen oder Irritationen zufriedenstellen klären zu können.

Zum jeweiligen Semesterende sollten die dual Studierenden eine aktualisierte Leistungsübersicht der Personalleitung vorlegen, im Idealfall erfolgt ein persönliches Gespräch zwischen den Beteiligten über die bisherigen Einzelleistungen. In diesem Zusammenhang können zurückliegende Theorie- und Praxisphasen bewertet und künftige Phasen besser geplant werden.

Nicht immer ist schon zum Zeitpunkt der Vertragsunterschrift klar, welche berufliche Zukunft und welcher Arbeitsplatz im Anschluss an das duale Studium möglich sind. Dieses hat zum einen den Vorteil für die Beteiligten, dass noch eine höhere Variabilität in den Praxisphasen möglich ist. Aber das Unternehmen sollte in Abstimmung mit den dual Studierenden so früh wie möglich über den beruflichen Weg nach der Studienphase sprechen und evtl. schon einen Arbeitsvertrag mit der Benennung der Stellenbezeichnung und den Arbeitsinhalten besprechen, der im Idealfall schon unterzeichnet wird. So kann ein fließender Übergang vom Studium in den anschließenden Beruf stattfinden.

Nach erfolgreichem Abschluss des dualen Studiums sollten im angemessen Rahmen die erbrachten Leistungen gewürdigt werden und allen an den Leistungen Beteiligten Dank ausgesprochen werden.

Vom Azubi zum dualen Studenten: Hessischer Modellversuch ermöglicht Studium ohne Abitur

Jan Behrens (2. v. l.) und Manuel Metz (3. v. l.) absolvieren beide ihr duales Studium bei der Leifheit AG. Die Hälfte der Zeit sind sie im Unternehmen und werden dabei von Jan Niklas Bär (l.), Projektmanager im Bereich Engineering, betreut. Sowohl er als auch HR Business Partner und Ausbildungsleitung Emma Barth (r.) sind glücklich mit der Entscheidung der Leifheit AG für StudiumPlus. Studiengangsleiter Prof. Dr. Sergej Kovalev (2. v. r.) prophezeit den jungen Männer beste Chancen nach dem Abschluss.

Nassau/Limburg. Ob Wäschespinne, Bodenreiniger oder Fenstersauger – kaum ein Haushalt in Deutschland, der nicht über mindestens eines der türkisgrünen Produkte der Leifheit AG aus dem rheinland-pfälzischen Luftkurort Nassau verfügt. Unter dem Motto „so geht Haushalt heute“ bietet das über 1.000 Mitarbeiter starke Traditionsunternehmen seit fast 60 Jahren Produkte aus den Bereichen Reinigen, Wäschepflege, Küche und Well-Being an. Seit Jahrzehnten wird in dem Unternehmen aber auch die Qualifikation von Nachwuchskräften ganz groß geschrieben. Gleich zwei junge Männer absolvieren zurzeit ihr duales Studium bei Leifheit.

Der 20-jährige Jan Behrens und der ein Jahr ältere Manuel Metz belegen den Bachelor-Studiengang Ingenieurwesen Maschinenbau beim dualen Studienprogramm StudiumPlus der Technischen Hochschule Mittelhessen, das Partner im Dualen Studium Hessen ist. Vorab hatten beide schon ihre Ausbildung bei Leifheit absolviert, Metz zum Werkzeugmechaniker und Behrens zum Industriemechaniker. Gemeinsam haben die beiden jungen Männer, dass sie ohne Abitur studieren, was an hessischen Hochschulen momentan im Rahmen eines Modellversuchs möglich ist. „Um das zu bewältigen, ist schon eine Menge Eigeninitiative gefordert, da wir insbesondere zu Beginn des Studiums einiges an Stoff nachholen mussten“, berichtet Behrens. Allerdings hätten die beiden auch Vorteile gegenüber den Kommilitonen mit klassischer Hochschulreife, erklärt Metz: „Durch unsere Ausbildung bringen wir Praxiserfahrung mit, die wir den Abiturienten voraushaben.“

Betreut werden die beiden Studenten von Jan Niklas Bär, der bei Leifheit als Projektmanager im Bereich Engineering tätig ist. Vom Konzept ist er vollkommen überzeugt: „Das duale Studium verbindet aktuelles Wissen aus der Hochschule mit intensiver Betreuung im Unternehmen, davon profitieren die Studierenden ganz immens.“ In den Praxisphasen, die bei StudiumPlus etwa die Hälfte der Studienzeit umfassen, bearbeiten die Studierenden eigenverantwortlich Projekte, die das Unternehmen tatsächlich weiter bringen. In ihrer ersten Praxisphase waren die beiden Studenten gemeinsam in einem Projekt eingesetzt, für das sie sogar nach Blatná in Tschechien reisen durften, wo Leifheit einen Produktionsstandort hat.

Kerngegenstand des Projekts war die Optimierung der Bestückung einer Pulverbeschichtungsanlage mit Rohrteilen, die später unter anderem im Wäschetrockner „Pegasus“ verbaut werden. „Es war toll, vor Ort zu sehen, wie die Fertigungsprozesse ablaufen und unsere Optimierungsvorschläge im Sinne der so genannten „Lean Production“ einbringen zu können“, schwärmt Behrens. „Die Aufgabe war eine große Herausforderung für uns, aber wir haben unglaublich viel gelernt“, ergänzt Metz. „Was wir im ersten Semester im Modul CAD gelernt haben, konnten wir direkt in der Praxis anwenden. Und es ist ein großes Erfolgserlebnis, dass unsere aus dem Projekt gewonnen Anregungen zukünftig umgesetzt werden“, freuen sich die beiden.  

Von der Aushilfe zur Inhaberin: Lena Weibel ist als Absolventin von StudiumPlus überzeugt vom dualen Studium

Die Inhaberin von talking tables Konzeptcatering, Lena Weibel (m.), vollendete sowohl ihr duales Bachelor-Studium als auch ihren dualen Master bei StudiumPlus. Als Chefin und Inhaberin setzt auch sie auf das duale Studienprogramm der THM. Studentin Katharina Braun (r.) absolviert bei dem Unternehmen ihr Bachelor-Studium in Betriebswirtschaft. Prof. Dr. Bernd Galinski von StudiumPlus betreute bereits Lena Weibel während ihrer Praxisphasen und steht nun Katharina Braun zur Seite.

Funkelnde Gläser, blitzendes Besteck und liebevoll angerichtete Leckereien umrahmt von herrlich bunter Blumendekoration – nicht nur für Hochzeitsfeiern, sondern auch für alle anderen privaten und geschäftlichen Feierlichkeiten zählt für talking tables Konzeptcatering (vormals martinis catering | event) jedes Detail. All dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Inhaberin Lena Weibel, obwohl erst Anfang dreißig, bereits seit über 15 Jahren im Bereich Catering und Events aktiv ist. Schon als Schülerin war sie als Aushilfe bei dem Unternehmen tätig, das ihr inzwischen gehört. Ein wichtiger Bestandteil ihrer beeindruckenden Laufbahn ist StudiumPlus, das duale Studienprogramm der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und Partner im Dualen Studium Hessen. Als zufriedene Absolventin qualifiziert sie in ihrem Betrieb inzwischen selbst eine duale Studentin.

„Als ich von StudiumPlus hörte, wusste ich sofort: Das ist das Richtige! Denn ich bin eine absolute Praktikerin. In meinem dualen Studium konnte ich mir neben der Praxiserfahrung fundiertes Fachwissen aneignen.“ Als ihre Entscheidung für StudiumPlus fiel, jobbte Lena Weibel gerade nach dem Abitur bei einem großen Event-Caterer in Frankfurt am Main. Tätig war sie im Bereich Marketing und Vertrieb. Angetrieben von dem Wunsch, ihre Passion für Gastronomie und Eventgestaltung zu ihrem Beruf zu machen, überzeugte sie ihre damaligen Vorgesetzten davon, ihr ein duales Studium an der THM im Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft zu ermöglichen.

Das duale Studienkonzept der THM hat Weibel offensichtlich so sehr gefallen, dass sie im Anschluss an den Bachelor-Abschluss dort den Master-Studiengang Prozessmanagement belegte, den sie ebenfalls erfolgreich absolvierte. Die Einsatzfreude von Lena Weibel zeigte sich auch darin, dass sie vor wenigen Jahren gemeinsam mit ihrem Partner den Entschluss fasste, talking tables Konzeptcatering zu übernehmen. Ihr ehemaliger Chef, für den sie bereits zu Schulzeiten gejobbt hatte, hatte ihren beeindruckenden Weg stets verfolgt. Als er sein Geschäft altersbedingt abgeben wollte, kam er auf Weibel zu und bot ihr die Nachfolge an.

Auch als Chefin und Inhaberin setzt Weibel zur Qualifizierung von Fachkräften auf StudiumPlus: Die ausgebildete Hotelfachfrau Katharina Braun, früher selbst Aushilfe bei dem Unternehmen, absolviert bei talking tables Konzeptcatering ihr duales Studium im Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft. „Frau Braun bringt nicht nur das Talent mit, operativ im Bereich Gastronomie zu arbeiten, sondern hat auch ein Händchen für Mitarbeiterführung. Gerade bei großen Events arbeiten wir häufig mit einer Teamgröße von bis zu 60 Mitarbeitenden. Dies macht sie für uns zur idealen Nachwuchsführungskraft“, lobt Weibel Ihre Studentin.

In ihrer letzten Praxisphase erarbeitete Braun ein Konzept zur Erschließung neuer Kundenpotentiale durch die Zusammenarbeit mit Eventlocations wie z.B. Burgen, Schlössern oder ehemaligen Fabriken. „Durch das Projekt konnten wir viele wertvolle Kontakte knüpfen. Die Kunden können nun aus einer noch größeren Palette von Örtlichkeiten für ihre privaten oder geschäftlichen Feiern wählen. Hieran erkennt man einen großen Vorteil eines dualen Studiums bei StudiumPlus: Die Studierenden bearbeiten Projekte, die das Unternehmen wirklich voran bringen“, freut sich Lena Weibel.