Forum 2: Qualität.sichern

Mit welchen Erwartungen an ein duales Studium begegnen sich dual Studierende, Unternehmen und Bildungsanbieter? Was bedeutet Qualität im dualen Studium – und wie gewährleistet man sie? Kirstin Scheel von der IHK Darmstadt moderierte in Forum 2 „aus der Praxis für die Praxis“.

Dual studieren ist beliebt, keine Frage. Das duale Studium, berichtete Chris Treutler, dualer Student des Ingenium Instituts für innovative Unternehmensentwicklung in Kassel, zum Einstieg, biete ihm die perfekte Verzahnung von Theorie und Praxis. Aber, so betonte er: Wer dual studiert, muss leistungsbereit sein und ein gutes Zeitmanagement mitbringen. Für die dual Studierenden sei der Spagat zwischen betrieblicher und theoretischer Ausbildungsphase dabei nicht immer leicht. Dies, so Treutlers Plädoyer, sollten die Unternehmen und auch die Bildungsanbietern den Bewerbern im Vorfeld daher klar kommunizieren. Er selbst ist bei aller Belastung jedoch sehr zufrieden: Als Projektverantwortlicher übernimmt hat der auszubildende Industriekaufmann bereits früh Verantwortung übernommen und wendet frisch erworbenes Wissen in der Praxis an. „Und das ist ja, das, was man anfangs auch von seinem dualen Studium erwartet.“

Und die Sicht der Unternehmen? Das duale Studium erklärte Johannes Amen, Leiter der Ausbildungsregion Mitte der Siemens AG, biete den vielgerühmten Return of Invest. Die Ausbildungsqualität im Konzern sichert eine eigens geschaffene „Ausbildungsinfrastruktur“, die maßgeblich auf so genannten Lernprozessbegleitern fußt. Diese, speziell weitergebildeten Mitarbeiter unterstützen dual Studierende bei der Siemens AG als ständiger Ansprechpartner und stehen in engem Austausch mit der jeweiligen Partnerhochschule. Gleichzeitig führen Ausbildungsbeauftragte als Pendant zu den Lernprozessbegleitern die betriebliche Bedarfserhebung durch und sind die unmittelbaren Vorgesetzten der jeweiligen dual Studierenden. Die bereichsspezifische Ausbildung während der Praxisphasen, so Amens Fazit, sorge für geringe Ausfallzeiten und eine hohe Produktivität. Weiterentwicklungspotential in der Zusammenarbeit mit den Anbietern sieht er dabei vor allem hinsichtlich der zeitlichen Organisation: planbare Praxis- und Prüfungszeiträume, mehr Gestaltungsmöglichkeiten und einen stärkeren Fokus auf die Anwendung der theoretischen Inhalte in der Praxis blieben aktuelle Themen.

Ausbildungsaufgaben im dualen Studium, die im Konzern institutionell verankert sind, müssen in kleinen und mittleren Unternehmen oft auf mehreren Schultern verteilt werden. Einblick in die praktische Umsetzung gab dazu Christian Reincke, Leiter der Personalentwicklung der STI Group aus Lauterbach. Etwa zwei dual Studierende stellt das Unternehmen pro Jahr ein – und gefragt ist von dual Studierenden vor allem Eigeninitiative. Vorschläge für Praxisprojekte sollten von den Studierenden selbst kommen, erläuterte Reincke den Ansatz. So könnten sich die Studierenden in der jeweiligen Abteilung ein Stück weit die Inhalte selbst erarbeiten und schon früh für Vertriebsziele und relevante Projekte eingesetzt werden. Das Mentoring erfolgt über ehemalige dual Studierende, sog. Potenzialträger, die als angehende Führungskräfte die Eingewöhnung in betriebliche Arbeitsabläufe rasch erleichtern. Nichtsdestotrotz, so gab Christian Reincke offen zu: Die Mitarbeiter für das zusätzliche Engagement in der Ausbildung der dual Studierenden zu motivieren, bleibe eine dauernde Aufgabe.

Doch wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Bildungsanbietern und Unternehmen in der Praxis? „Der Brückenschlag zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist nur über eine partnerschaftliche Zusammenarbeit“ ließ Ingolf Jungmann, Vizepräsident und Geschäftsführer der Frankfurt School of Finance & Management wissen. Konkret bedeute dies, eine maßgeschneiderte Betreuung für die Unternehmen anzubieten. Aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung und Größe der Partnerunternehmen seien spezifische curriculare Wünsche, bspw. parallel laufende Zeit- und Blockmodelle  oft schwer umsetzbar. Es müsse daher eine Lösung gefunden werden, die der Mehrheit der Kooperationspartner gerecht wird. Zu diesem Zweck findet an der Frankfurt School of Finance zwei Mal im Jahr Treffen zum Austausch und zur Beratung aller Kooperationspartner statt. Für den „direkten Draht“ und die ad hoc-Beratung der Unternehmen sorgen die Key-Accounter und Ambassadore  der wissenschaftlichen Hochschule. Bereits im Auswahlverfahren zur Studienzulassung, das die Frankfurt School in Eigenregie durchführt, geben die Unternehmen eine Rückmeldung über die gewünschten Profile. Sie begleiten das Assessment Center als Beobachter. Wissenschaftlichkeit und Praxisorientierung, so das Fazit von Jungmann, schließen sich daher keinesfalls aus.