Forum 3: Perspektiven.gestalten

Forum 3: Perspektiven.gestalten - Podium

Das duale Studium bleibt auf Expansionskurs – und hält auf die Frage nach der wachsenden Komplexität von Berufsbildern längst mehr als eine Antwort bereit. Im offenen Diskussionsformat des dritten Kongressforums diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der Bildungsanbieter: Welche Entwicklungsperspektiven im dualen Studium versprechen Erfolg? Was brauchen wir (noch)? Wohin geht die Reise?
 

Einig zeigten sich die Bildungspartner vor allem bei der Frage nach der weiteren quantitativen Entwicklung: Vor allem die Vielfalt dualer Studiengänge, so die einhellige Überzeugung, wird in Zukunft noch größer werden. Als allgemeine, bundesweite Tendenz konnte Sonja Baumer, Geschäftsführerin von hochschule dual in Bayern, diesen Trend bestätigen: „Zurzeit gibt es bei uns über 300 verschiedene Angebote“. In Zukunft will hochschule dual noch weiter expandieren, zum Beispiel mit neuen Studiengängen in den Fachbereichen Gesundheit und Design oder Architektur. Den fachspezifischen Ausbau dualer Studiengänge, der das Fächerspektrum im dualen Studium zukünftig deutlich erweitert, treibt in Hessen auch die Hochschule Fulda voran – unter anderem mit verschiedenen Studiengängen im Fachbereich Gesundheit, Ernährung und Lebensmittel oder im Sozialwesen. Sie verzeichnet mit dem dualen Studiengang Hebammenkunde inzwischen sogar ein europäisches Unikat. Am Beispiel des Studiengangs „Bachelor Soziale Sicherung und Verwaltung“, der junge Menschen für den Berufsalltag in deutschen Job-Centern macht, erläuterte Dorit Bölsche, Vizepräsidentin der Hochschule Fulda, zudem, wie wichtig es sei, diese dualen Studiengänge hinsichtlich der Curricula passgenau zu entwickeln. Denn, „oft sind kombinierte Kenntnisse erforderlich – ob sozialpädagogisch oder juristisch.“ 

Blick in die Zukunft: Wie geht es beim Ausbau weiter? 

Gibt es vielleicht bald gar ein Überangebot an dualen Studiengängen? Die Frage nach einer bevorstehenden Sättigung der Bildungslandschaft hinsichtlich des dualen Studiums kann Harald Danne, Leitender Direktor des Wissenschaftlichen Zentrum Duale Hochschulstudien der Technischen Hochschule Mittelhessen (StudiumPlus) klar verneinen: „Der Markt ist nicht gesättigt. Es gibt weiterhin Bedarf und das duale Studium liegt zudem sowohl bei den jungen Menschen als auch bei Unternehmen im Trend. Das sind gute Voraussetzungen für ein weiteres Wachstum.“ Seiner Einschätzung nach werden vor allem ländliche Regionen in Zukunft verstärkt auf duale Studienmodelle setzen– um kluge Köpfe langfristig zu binden.

Potenzial sehen die Bildungsexperten auch in den dualen Masterstudiengängen, die zunehmend entwickelt werden. Obwohl duale Studiengänge in erster Linie auf den Bedarf der Wirtschaft reagieren, geht die hohe Nachfrage nach dualen Master-Abschlüssen überraschenderweise von den Studenten aus. Dies bestätigt ein Unternehmensvertreter aus dem Plenum: „Wir müssen jungen Leuten eine Zukunft bieten.“ Das Angebot des Masters, so bestätigte auch Sonja Baumer, sei letztlich ein Bindungsinstrument der Unternehmen.

Auch die Europäische Studienakademie Kälte-Klima-Lüftung (ESaK) will ihren Studenten mehr bieten. In Kooperation mit der Hochschule Darmstadt wird daher der Masterstudiengang „Energieeffiziente Systeme in Kälte-/ Klima und Elektrotechnik“ ins Leben gerufen. Die Zusammenarbeit zwischen staatlicher Hochschule und der Berufsakademie stellt ein Novum dar und ist zugleich ein zukunftsweisendes Modell: „Wir sind sehr gut aufgestellt im Akkreditierungsprozess. Die ESaK hingegen hat hochspezialisierte Labors und setzt seit Jahren den Schwerpunkt auf Energieeffizienz. Daher sind wir Partner auf Augenhöhe.“, betonte Katja Lenz, Vizepräsidentin der Hochschule Darmstadt. Ihr Kollege, der Akademieleiter der ESaK, Dominik Cibis ergänzte, dass die ESaK vor allem auf vorhandene Partner zurückgreifen kann, die Bedarf haben.

Das Plenum zeigte großes Interesse am Thema. Immer wieder gab es rege Diskussionen beispielsweise, wie die zunehmende Akademisierung zu bewerten sei. Insgesamt hat sich gezeigt: das duale Studium wird in Zukunft noch vielfältiger werden. Und trotz breitem Angebot sorgen die hessischen Qualitätskriterien für hohe Transparenz.